„Der fliegende Holländer“ mit der NDR Radiophilharmonie

VON STEFAN ARNDT (HAZ zum Konzert 22. Sept. 2013)

Da muss der große Alte auf seinem Stuhl in der Bühnenecke doch einmal anerkennend mit dem Kopf nicken. So musikalisch gestaltet hat selbst Matti Salminen den Auftrittsmonolog des Holländer noch nicht oft gehört. Der finnische Bassist hat als Daland gerade seinen Steuermann abgefertigt und verfolgt nun von der Seite das Geschehen im hannoverschen Kuppelsaal. Die NDR Radiophilharmonie startet hier mit einem spektakulären Konzert in die Saison: eine konzertante Aufführung von Wagners „Fliegenden Holländer“ mit Weltklassebesetzung.

Oratorienchor in der Neustädter Hof- und Stadtkirche
VON LUDOLF BAUCKE (HAZ, 22. Apr. 2013 )

Die Wege zu künstlerischem Profil sind vielfältig. Einen davon, das sorgfältig gestaltete Programm, wählten der Hannoverscher Oratorienchor und sein seit dem vergangenen Jahr arbeitender Leiter Stefan Vanselow. Sie schlugen mit ihrem gut besuchten Konzert in der Neustädter Hof- und Stadtkirche den Bogen von Johann Sebastian Bach ins Baltikum und verknüpften die nur aus den Teilen Kyrie und Gloria bestehende G-Dur Messe des Thomaskantors mit der ganz anders gearteten Berliner Messe des aus Estland stammenden Arvo pärt. Es begegneten sich koloraturenreiche Chorpolyphonie und von synchronem Sprachduktus geleitete Akkordik. Der Chor war auf beide Aufgabefelder sehr gut vorbereitet worden. Bachs vertrackte Mehrstimmigkeit pulsierte, und Arvo Pärts schlichtere Akkordik ließ durch ihren stetigen Fluss aufhorchen. Auf Pomp wurde verzichtet. Das Sanctus klang ehrfürchtig und die eindringliche Friedensbitte im Agnus Dei so leise, dass der Applaus erst nach merklicher Pause einsetzte.

Die vier in der Bach-Messe geforderten Vokalsolisten profilierten die Musik mit stimmlicher Frische. Der Bassist Daniel Bacsinsky und der Tenor Sebastian Franz gaben sich vor allem koloraturenerprobt. Die Sopranistin Anna Bürk und die Altistin Anna-Dora Capitelli gestalteten das geschmeidige Domine Deus als anmutiges Duett. Mit von der Partie war die Hannoversche Hofkapelle - eigentlich ein barockerfahrenes Ensemble. Im Zusammenklang mit den Stimmen des Oratorienchors fiel jedoch auf, das die hohen Instrumente deutlich eleganter mit den Singstimmen harmonierten, während die als Generalbass agierenden beiden Violoncellistinnen und die Kontrabassistin eher eigenwillig und viel zu selten stimmkonform musizierten. Derartige Routine freilich verbot sich im instrumentalen Intermezzo. „Viatore" für elf Solostreicher des Letten Peteris Vasks war Neuland für die mit barocken Bögen spielenden Instrumentalisten, doch gerade das garantierte dem zwischen Stille und Bewegung, zwischen hohen und tiefen Registern schwebenden Musik viel Reiz. Vasks hat das Werk übrigens als Hommage für Arvo Pärt komponiert. Der Brückenschlag von Bach zu Pärt wurde überzeugend verwirklicht.

„Oratorienchor Hannover trifft den Ton von Mozarts Totenmesse“
VON SYBILLE HEINE (Anzeiger für Burgdorf, 23. März 2009)

Burgdorf. Die Aufführung eines der schönsten oratorischen Kompositionen hat am Sonnabend mehr als 100 Musikliebhaber in die St-Pankratius-Kirche gelockt. Der Oratorienchor Hannover und Mitglieder des Niedersächsischen Staatsorchesters führten am vierten Fastensonntag, auch Todsonntag genannt, Mozarts Requiem auf.
Das Publikum erlebte einen flexibel agierenden, bestens präparierten Chor mit feinem Gespür für Dynamik, der den Raum zur Glanzentfaltung im Kyrie nutzte. Beim Confutatis und Lacrimosa verlor die Gestaltung etwas an Spannung. Umso konzentrierter begann der vierte Teil.

Der Hannoversche Oratorienchor in der Markuskirche
VON ANDRÉ MUMOT (HAZ, 30. Nov. 2009)

Wenn einem ein Chor zur Verfügung steht, der solch seidigsanften Wohlklang herzustellen weiß, kann man ihm auch getrost solch ein Stück auf den vielstimmigen Leib schneidern. Peter Francesco Marino, Leiter des Hannoverschen Oratoriencbores, hat das Gedicht „Der Tod, das ist die kühle Nacht" von Heinrich Heine vertont und damit „seinem" Ensemble Möglichkeit zum Glänzen gegeben. Von verhaltenen Streichern begleitet, lassen sich die Sängerinnen und Sänger ätherisch ins Jenseits forttreiben, machen das zehnminütige Werk zum ungebrochen Schwelgen in Tod und Verklärung.

Hannoverscher Oratorienchor in der Markuskirche
VON LUDOLF BAUCKE (HAZ, 24. Nov. 2008)

Sie gedachten auch einer Sängerin, die bei dem Busunglück am 4. November auf der A2 ums Leben gekommen war: Eindringlich und ergreifend gestaltete der Hannoversche Oratorienchor zusammen mit der Hannoverschen Orchestervereinigung in der Markuskirche das Requiem von Luigi Cherubini. Das Werk erklang erst zum Abschluss des von Peter Marino geleiteten Gedenkkonzertes, doch wirkte in seiner Gesamtheit wesentlich stärker als zuvor Beethovens Egmont-Ouvertüre und die Missa canonica von Johannes Brahms. Cherubinis aus der Tiefe emporsteigende, zu Beginn des dramatischen "Dies irae!" mit einem einzigen Tamtamschlag aufrüttelnde und schließlich sanft endende Musik gehoben. Und zwar so gut, dass nicht nur ein dreiviertelstündiger Bogen gespannt, sondern auch Beethovens Wertschätzung bestätigt wurde. Es lohnte, dieses Requiem zu hören, und es lohnt für Laienchöre, sich regelmäßig von Luigi Cherubini inspirieren zu lassen."

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