Proms 13.09.201410 500 Besucher erleben bei den NDR-Proms ein Musikspektakel im Kuppelsaal und im Stadtpark
VON JUTTA RINAS (HAZ, 15. Sep. 2014)

Was für eine Szene! Was für ein sprechendes Bild! „Rule, Britannia!“: Inbrünstig schmettert das Puplikum im hannoverschen Kuppelsaal den Refrain jenes berühmten Stückes von Thomas Augustine Arne von 1740, das als heimliche englische Nationalhymne gilt.

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Konzert 14.12.2013 Chorkonzerte in der Markt- und der Markuskirche
VON LUDOLF BAUCKE (HAZ, 16. Dez 2013)

Festliche Klänge wehen zum Jahresende durch die Kirchenschilfe. Bachs Weihnachtsoratorium mit sechs Kantaten hat Hochkonjunktur. Seltener wird Händels „Messias" aufgelegt. Die Fülle der Weihnachtslieder in Sätzen aus alter und neuer Zeit animiert Chöre und Kantoreien. Hannovers Kirchenmusik färbt vor Weihnachten das schillernde Bild einer Chorstadt. Diese aber lebt bei Weitem nicht nur von Wiederholungen, sondern profiliert sich mit unterschiedlich besetzten Ensembles und vor allem individuell gestalteten Programmen. So sang am dritten Advent der Mädchenchor Hannover in der gut besuchten Marktkirche und punktete mit erstaunlichen Leistungen des mit Liedern von Bohuslav Martinu bestens aufgelegten Nachwuchschores sowie kleiner solistischer Gruppen und des staunenswert professionell agierenden Konzertchores. Gleich ob eine Messe von Michael Haydn geschmeidig angestimmt oder Benjamin Brittens apart von der Harfe (Teresa Zimmermann) angereicherte „Ceremony of Carols" vorgetragen wurden - das Publikum zeigte sich so spontan begeistert, dass es am liebsten nach jedem Stück applaudiert hätte.

„Der fliegende Holländer“ mit der NDR Radiophilharmonie

VON STEFAN ARNDT (HAZ zum Konzert 22. Sept. 2013)

Da muss der große Alte auf seinem Stuhl in der Bühnenecke doch einmal anerkennend mit dem Kopf nicken. So musikalisch gestaltet hat selbst Matti Salminen den Auftrittsmonolog des Holländer noch nicht oft gehört. Der finnische Bassist hat als Daland gerade seinen Steuermann abgefertigt und verfolgt nun von der Seite das Geschehen im hannoverschen Kuppelsaal. Die NDR Radiophilharmonie startet hier mit einem spektakulären Konzert in die Saison: eine konzertante Aufführung von Wagners „Fliegenden Holländer“ mit Weltklassebesetzung.

Hannoverscher Oratorienchor mit Spohr und Hindemith
VON AGENS BECKMANN (HAZ zum Konzert am 3. Nov. 2013)

Die Begriffe ungewöhnlich und ausgefallen können den Werken, die der Hannoversche Oratorienchor in der Markuskirche präsentiert, auf jeden Fall attestiert werden. Zudem sind die Stücke eigenwillig angeordnet. Louis Spohrs gemäßigtes Oratorium „Die letzten Dinge“ wird quasi aufgebrochen durch die zwischen dem ersten und zweiten Teil eingefügten Sätze aus der Paul-Hindemith-Kantate „Appareberit repentina dies“. Danach, so die Intention von Dirigent Stefan Vanselow, werde man den zweiten Teil des Oratoriums anders hören.

Oratorienchor in der Neustädter Hof- und Stadtkirche
VON LUDOLF BAUCKE (HAZ, 22. Apr. 2013 )

Die Wege zu künstlerischem Profil sind vielfältig. Einen davon, das sorgfältig gestaltete Programm, wählten der Hannoverscher Oratorienchor und sein seit dem vergangenen Jahr arbeitender Leiter Stefan Vanselow. Sie schlugen mit ihrem gut besuchten Konzert in der Neustädter Hof- und Stadtkirche den Bogen von Johann Sebastian Bach ins Baltikum und verknüpften die nur aus den Teilen Kyrie und Gloria bestehende G-Dur Messe des Thomaskantors mit der ganz anders gearteten Berliner Messe des aus Estland stammenden Arvo pärt. Es begegneten sich koloraturenreiche Chorpolyphonie und von synchronem Sprachduktus geleitete Akkordik. Der Chor war auf beide Aufgabefelder sehr gut vorbereitet worden. Bachs vertrackte Mehrstimmigkeit pulsierte, und Arvo Pärts schlichtere Akkordik ließ durch ihren stetigen Fluss aufhorchen. Auf Pomp wurde verzichtet. Das Sanctus klang ehrfürchtig und die eindringliche Friedensbitte im Agnus Dei so leise, dass der Applaus erst nach merklicher Pause einsetzte.

Die vier in der Bach-Messe geforderten Vokalsolisten profilierten die Musik mit stimmlicher Frische. Der Bassist Daniel Bacsinsky und der Tenor Sebastian Franz gaben sich vor allem koloraturenerprobt. Die Sopranistin Anna Bürk und die Altistin Anna-Dora Capitelli gestalteten das geschmeidige Domine Deus als anmutiges Duett. Mit von der Partie war die Hannoversche Hofkapelle - eigentlich ein barockerfahrenes Ensemble. Im Zusammenklang mit den Stimmen des Oratorienchors fiel jedoch auf, das die hohen Instrumente deutlich eleganter mit den Singstimmen harmonierten, während die als Generalbass agierenden beiden Violoncellistinnen und die Kontrabassistin eher eigenwillig und viel zu selten stimmkonform musizierten. Derartige Routine freilich verbot sich im instrumentalen Intermezzo. „Viatore" für elf Solostreicher des Letten Peteris Vasks war Neuland für die mit barocken Bögen spielenden Instrumentalisten, doch gerade das garantierte dem zwischen Stille und Bewegung, zwischen hohen und tiefen Registern schwebenden Musik viel Reiz. Vasks hat das Werk übrigens als Hommage für Arvo Pärt komponiert. Der Brückenschlag von Bach zu Pärt wurde überzeugend verwirklicht.

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