Hannoverscher Oratorienchor mit Spohr und Hindemith
VON AGENS BECKMANN (HAZ zum Konzert am 3. Nov. 2013)

Die Begriffe ungewöhnlich und ausgefallen können den Werken, die der Hannoversche Oratorienchor in der Markuskirche präsentiert, auf jeden Fall attestiert werden. Zudem sind die Stücke eigenwillig angeordnet. Louis Spohrs gemäßigtes Oratorium „Die letzten Dinge“ wird quasi aufgebrochen durch die zwischen dem ersten und zweiten Teil eingefügten Sätze aus der Paul-Hindemith-Kantate „Appareberit repentina dies“. Danach, so die Intention von Dirigent Stefan Vanselow, werde man den zweiten Teil des Oratoriums anders hören.

Besonders bei den dramatischen Passagen begeistert Tenor Jörn Eichler mit seinem warmen Timbre und seiner farbenreichen Stimme. Young-Myoung Kwon mit seinem dunkelschönen, satten Bass steht ihm in nichts nach. Tanja Lea Eichler glänzt durch leidenschaftlichen ausdrucksstarken Sopran, ebenso gefällt Monika Walerowicz mit sinnlichem Mezzo und bewegendem Ausdruck. Die Nordwestdeutsche Philharmonie leitet beide Teile mit ausgedehnten Passagen ein. Mit schönen Klangfarben und, wo nötig, mit dramatischem Impetus gelingt es Vanselow, einen spannungsgeladenen Bogen über den Verlauf der Handlung zu legen. Der Chor überzeugt durch stimmgewaltige, ausladende Breite und erfreut mit eindringlicher Textgestaltung und ergreifenden Klagen. Ob die Zuschauer den zweiten Teil wirklich anders hören, bleibt ungewiss. Gewiss (da hörbar) ist, dass ihnen der Abend gut gefallen hat.

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